Popkulturelle und persöhnliche Konsequenzen der US-Wahl (Americanism)
Ich habe wenig geschlafen, denn gestern war auch die US-Wahl.
Auf drei Monitoren habe ich durch die Nacht gesehen, was ich mir seit Monaten gedacht hatte. Trump halt. Ich wusste, dass Donnie gewinnen würde, weil sich bei mir vor etwa 12 Jahren eine Hyperfixation auf US-Wahlen gebildet hatte und ich deswegen wirklich alle Graphen und Predictions im Blick gehabt hatte.
Alles wie erwartet. Wie im Jahr 2016 bin ich nicht geschockt oder bin eben so geschockt, wie ein professioneller Bungee-Springer von einem Bungee-Sprung geschockt wäre.
Doch diesmal ist etwas anders als 2016.
So wie der Bungee-Springer, der ich bin, warte ich seit Monaten auf den Tiefpunkt, nachdem es wieder hochgeht. Nun ist er bald da, der Tiefpunkt, aber etwas ist different. Am Tiefpunkt und trotzdem im Freifall.
Vielleicht ist das Bungee-Sprung-Seil gerissen oder ich habe irgendwo einen Fehler in meiner Bungee-Sprungseil-springen-Ausbildung gemacht.
Ich befürchte, mein Optimismus schwindet langsam. Noch bin ich nicht verbittert, das darf auch nie passieren, aber Trump ist nun eben Präsident. Kamala was brat. Früher hieß das Umschwung, jetzt heißt das nur noch: Trump hat gewonnen.
Genauso wie es heißen wird, dass Hollywood eben gestorben ist und Palästina und Unkraine sowieso nie eine Chance hatten und klar, KI hat gewonnen und mit Kunst ist sowieso kein Geld zu verdienen und natürlich hast du sie nie wieder gesehen, das war ja klar, warum sollte sich jetzt melden, das ist halt so, deal with it. Aber dazu später mehr.
Man würde meinen, der ganze Quatsch wäre gut für die Jugendkultur. Revolution und Aufruhr. RocknRollers, Hippies, Punks, Grungers, Hiphopper, Emos.
Aber das gibts eben nicht mehr. Subkulturen sind tot und wurden auf ihre Ästhetik runtergebrochen und zerstückelt, damit die Einzelteile im Urban Outfitters verkauft werden können.
Früher musste man eine Subkultur aufspüren, sich mit ihr auseinandersetzen, ihre Visionen verstehen, Musik hören und die Sprache, das Vokabular, lernen. Nun kann man sich mit den sozialen Medien die bloße Ästhetik einer Subkultur aneignen, ohne sich die Mühe zu machen.
Aber dieser einfache Zugang zu so ziemlich jeder Facette jeder Subkultur negiert die grundlegende Idee, dass man tatsächlich zu etwas gehört, indem man die harte Arbeit macht.
Wikipedia ist nicht die Lower East Side. Du kannst Grunge aus deiner Instabio löschen. Grunge war Anfang der 90er, Grunge war Seattle, du bist 2002 in Unterhaching geboren.
Musik war früher nicht so easy zu finden. Man konnte nicht einfach "beste Emo-Songs" in eine Suchleiste eingeben und plötzlich Emo sein. Stattdessen bekam man vielleicht eine Schallplatte, CD oder Kassette in die Hand gedrückt oder einen illegalen Download-Link geschickt. Das waren bestimmte Alben, Bücher, Filme und Sprachen. This Is Emo ist nicht Emo.
Ganz einfach: Wenn du es nicht wusstest und es dich nicht interessierte, war es nichts für dich. Und das zu Recht. Es gab Subkulturen und echte Kunst und Liebe. So war das bestimmt früher.
Es ist natürlich gut, dass man das heute noch probiert. Das mit der NNDW zum Beispiel. Vielleicht braucht man ja gar nicht mehr diesen Städtefaktor, vielleicht muss man sich nicht mehr in denselben Klubs treffen (die gibts sowieso alle nicht mehr) und vielleicht reicht eine Whatsapp-Gruppe. Vielleicht ist das oke, wenn etwas groß gedacht ist, aber klein bleibt. Americanism, das bedeutet auch: Vielleicht, hoffentlich.
Vielleicht ist irgendwo Hoffnung im Internet. Früher wäre sie jetzt einfach weg. Vielleicht schreibt sie ja noch irgendwann zurück. Und Subkulturen entstehen wieder und alles wird wieder gut und meine Freunde haben keine Anxiety-Attacken mehr und der Aufschwung kommt, nur eben langsamer. Vielleicht sehe ich sie dann - und dann ist es der richtige Ort zur richtigen Zeit.
Vielleicht brauchen wir alle nur ein bisschen Zeit. Bis in 4 Jahre.
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