Die Wehen des Wilden Westens
Aufstehen. Aus dem Bett, sie liegt noch da, wird liegengelassen. Ein Tasse Kaffee, ein rohes Ei, vielleicht Speck. Draußen schreit Freiheit und die Sonne ist noch nicht mal aufgegangen.
Er hatte hier so viel erlebt, so viel gesehen, es jedoch noch nie gesagt. Keinen Grund. Mitteilungsbedürfnisse sind falsche Werbung. Nur vor Gott, da schweigt er nie, nur vor Gott, da geht er auf die Knie und knetet seine Haare in einen Pferdeschwanz.
Dieser Morgen ist jeder Morgen. Der Hut riecht nach Leder, die Schuhe, Jacke auch. Der Geruch erregt ihn, tausendfach Testosteron. Sollte er sich jetzt noch einen runterholen? An Sydney Sweeney denken? Lieber nein. Der Morgen ist die Zeit der Vernunft.
Er steigt auf sein Pferd und macht seinen Job wie immer. Reitet los auf die Ranch.
Die Kühe sind gut gefüttert, bald werden sie geschlachtet. Das gibt gutes Geld, da kennt er nichts. Ein paar behält er für sich selber. T-Bone, Ribsteak, Zunge.
Auf dem Weg zurück checkt er wie immer den Zaun.
Ein Kalb hat sich darin verfangen. Es quiekt. Leidet.
Er bekommt es nicht befreit, es scheint sogar immer schlimmer zu werden. Der Maschendraht verfängt sich in ihrer Haut, Ohren, Augen, Zunge. Er denkt nicht länger nach, sein Vater hatte oft über den Gnadenstoß gesprochen.
Zuhause versucht er es ihr zu erklären. Sie ist schockiert, besorgt, doch versteht nicht. Wie konnte sie nicht verstehen, obwohl er doch nun so viel spricht?
Auch sein flehen zu Gott kam nicht an, egal wie tief er kniete.
Am nächsten Tag kommt er wieder nicht über den Zaun hinaus geritten. Jeden Tag werden die
Gnadenstoß-Gedanken mehr. Er träumte von der Freiheit und Sydney Sweeney. Die Träume hatten sich in seiner Haut verfangen. Schnitten in Augen und Zunge.
Ein Unwetter auf seinem Land, sie macht ihm Hühnersuppe mit Backerbsen. Hält ihn warm. Er schaut nur aus dem Fenster. Dahinten scheint die Sonne, hier peitscht der Wind.
Es weht. Tut weh, nie ein Cowboy zu sein.

