Präsens, und der Tod meiner Dreifaltigkeit
Ich schaue in den Spiegel und der Spiegel schaut dreimal zurück. Vor mir steht ein 13-jähriger Junge und ein 83-jähriger Mann. Beides bin Ich - Beides und Ich. Der Übergang ist fließend, ist brückenlos. Das kann ich mir nicht erklären, bin aber auch kein Wissenschaftler - vielleicht passiert sowas ja immer mal wieder. Der 13 jährige Junge hat schlechte Haut, der 83 jährige Mann graue Haare, und ich habe Angst. Die Verteilung stimmt also wenigstens.
Der junge Junge fragt mich, ob mein Handy „Touch“ hat und, ob Video Games von Lana Del Rey immer noch mein Lieblingslied ist. Ich wünschte Nein und ich wünschte Nein, ist die Antwort. Das war einfach. Die Fragen des Lebens, waren damals wohl noch einfacher. Nun schreitet der alte Mann in das Rampenlicht (damit werde ich im Alter also immer noch keine Schwierigkeiten haben). Er fragt mich, ob ich allen gesagt habe, dass ich sie lieb habe. Das ist alles? Ich überlege. Ihm wohl zu lange, und er wiederholt: Ob ich denn allen gesagt habe, dass ich sie lieb habe. Gute Frage, schwere Antwort. Nein noch nicht, antworte ich. Das gefällt ihm nicht und er sieht wie ich schwitze. Das gefällt ihm wiederum.
Der alte Mann wird aufmüpfig und gemein, und fragt ob ich denn nun schon reisen war und meinen Schlafrhythmus reguliert habe und mich verliebt habe und endlich gelernt habe Reis zu kochen und - mein romantisierter alter Mann ist weg. Dem jungen Jungen gefällt der Fragen-Terrror und er springt mit rein. -und machst du endlich mehr Sport und und und hast du eigentlich mal über dein Leben nachgedacht????????????????
So viele Fragen kann ich gar nicht beantworten, und will ich auch gar nicht. Warum muss man sich immer Fragen stellen und, noch schlimmer, beantworten? (Diese Frage soll man sich auch nicht beantworten)
Aus Instinkt, und aus einem Werkzeugkasten, hole ich einen Hammer. Den schmeiß ich so stark wie es geht gegen den Spiegel. Das tut gut, und kann ich für hin und wieder, immer mal empfehlen. Nun schauen statt drei, hunderte Ichs mir in die Augen. Aber wenigstens alle mein Ich heute. Heute lebe ich weder für Fragen, noch für Antworten, sondern für die wenigen Sekunden dazwischen, denn die machen am meisten Spaß. Heute lebe ich im Präsens - Präteritum und Futur können mir aus den Augen bleiben.
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| Neuer Teil meiner "Ich rauche nicht, Mama, aber das Bild sieht cool aus" Reihe Bild von Carlotta R. |

