Ich versinke zwischen den Jahren, und das ist sehr bequem
Willkommen im Vakuum, also die Feiertage, das Loch, zwischen Weihnachten und Neujahr. Zwischen den Jahren. Ich versinke, meistens im fließenden Übergang, teils im Bett oder in der Bar. Wenigstens mit Freunden- also in die Bar, nicht ins Bett. Eine Woche lang Katerfrühstück (auch im Bett). Das schönste an der Reue ist schließlich der Abend davor.
Ich esse viel und schwer und ungesund. Meine Haut leidet darunter, natürlich. Die Backen werden ölig, die T-Zone trocken. Der Spiegel wird gekonnt wegignoriert. Eigentlich wollte ich lernen und studieren und Sport machen, aber das muss dann halt warten. Auf eine Zeit ohne Vakuum.
Ich bin faul.
Das ist normalerweise schwierig in unserer neurotischen, unentspannten Suchtgesellschaft, die gerne mit Wörtern, wie Arbeitsethik oder Morgensport, herumprügelt. Faul sein, die moderne vierte Kardinalsünde. Ich glaube faul und aktiv, ist aber eher eine Frage des Rhythmus. Manche tanzen langsam zu Walzer, und andere zappeln spastisch zu Techno und wieder andere tanzen Salsa oder Tango.
Das Problem ist eher, dass wir von Anderen verlangen alle Tanzarten gleichzeitig und gleich gut zu beherrschen. Und weil wir das von denen verlangen, erwarten wir das dann auch von uns selbst. Das ist doch Wahnsinn, und schafft einfach einen unerträglichen, starken Druck. Dabei kann man doch gar nicht alles tanzen. Wäre ja auch langweilig!!
Im Vakuum ist alles möglich und erlaubt, und mit „alles“ ist hier „gar nichts“ gemeint. Ein Vakuum ist wichtig. Der Mensch muss versacken dürfen. Der Parkschein für eine Nation im Dopamin-Crash. Und wie die Nation und ich das gebraucht haben! Also ab ins Bett, oder in die Kneipe.
Von Robinson Rönnfeld
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