Mir ist ein bisschen schlecht-ich komme gleich wieder // Temmis- Klinge EP Revue

Klar mag man Gemüse trinken und Obst essen, trainieren gehen und endlich mit dem rauchen aufhören. Dann mag man vielleicht auch noch sein Geld gut anlegen. Früh aufstehen und noch früher ins Bett gehen. Überhaupt das Bett machen. Totale Selbstoptimierung. Die Elon Musk Mentalität entwickeln.


Temmis ist nicht der Meinung, dass man das mag. Die in Tübingen geborene Band, hat nämlich ganz andere Prioritäten. In der neuen EP “Klinge“, möchte man sich eigentlich nur, so schlaflos wie möglich, verlieben und verletzen und am liebsten beides gleichzeitig. Bleib wach, in der Nacht!!, wird proklamiert. Eine Hymne des Doomer-Delirium. Ein Hilfeschrei an das Individuum, mit der Bitte, dass es nicht alleine bleibt.

 

Temmis, das sind Roman, Tizin, Alex und Emil, veröffentlichen “Klinge“ am 25.11.2022 und fallen damit, auditiv auch, dem November in die Arme. Ein kalter Sonnenaufgang, der sich durch Beton kämpft. ICE 579 trägt uns, wie eine Lokomotive, durch die hoffnungslosen Neuanfänge eines Break-Ups. Roman stellt die Sinnesfrage, und sieht und spürt gar nichts mehr. Alles ist taub. Kenn ich.


Auch in der Frontsingle Klinge, pochen Drums und Bass durchs Trommelfell. Ein blutgedränkter Liebesbrief. Das muss schließlich wehtuen, das mit der Liebe. Ein fieses Konzept. Wer sich das wohl ausgedacht hat? Alles auf eine andere Person zu setzen, das ist absurd und schrecklich schön. Wir möchten doch alle nur verstanden werden. Weg mit der Freiheit, die Liebe soll mich versklaven. Koste es eben, was es kosten mag. Und wie viel wir bereit sind, dafür auszugeben. Selbstwert und Gesundheit und mehr, dass man gar nicht mehr braucht, wenn man dann nur wenigstens Sie oder Ihn hat. Eine Klinge, bitte!! Das ist die tragische Wahrheit. 

Man braucht sie eben, denkt man. Die genauso Verlorenen, denkt Roman in Verloren wie ich (Pt.1). Er denkt wohl richtig, denkt man. Wir sind jung, wir müssen lieben, und zwar so viel bis einem schlecht wird. Liebesübel. Anders geht bestimmt auch gar nicht- denken wir mal. Und das ist auch gut so.


Die EP klingt wie die letzten Endorphine im Restalk. Hört sie euch also an. Ich empfehle dabei, ins Nichts zu schauen und loszurennen.


https://open.spotify.com/album/1dMb5x5PqCagRgrFSRgiJO?si=4znmidAJTISj8JxdScUsuA


von Robinson Rönnfeld

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